1924 ...

... die Geschichte des TuS beginnt!

Querstreifen anno 1929!

Diese Meldung ist für den Chronisten der einzig noch existierende Beleg, dass wahrscheinlich am 1. Juli 1924 zur Gründungsversammlung aufgerufen worden ist.

Wie gern hätten wir an dieser Stelle ein Gründungsprotokoll präsentiert, aber bedingt durch politische Erdbeben im Frühjahr 1933 sind keine Originalunterlagen mehr vorhanden. Der Verfasser ist auf Quellen im Staatsarchiv Detmold und die Recherchen von R. Schwegmann, Lemgo, angewiesen.

Gründungsmitglieder waren: August Schormann, Gottlieb Lehmeier, Karl Klaus, Wilhelm Schäfer, Heinrich Plöger, Karl Brockmeier, Gustav Nebel, Gustav Eggering, Willi Heidergott und andere.

Im September ist der Vereinsvorstand gewählt worden: Erster Vorsitzender wurde Robert Büker, Kassierer Gottlieb Lehmeier und Schriftführer H. Ischen. Vereinsname: Arbeiterturnverein Fichte Grastrup, Mitglied im Arbeiter Turn- und Sportbund, Freie Turner!

Brüderliche Starthilfe erhielt der junge Verein von Deutsche Eiche Schtmar und dem Arbeitersportverein Ehrsen, die mit Geräten und Turnmatten aushalfen und Vorturner abstellten. Die Kameraden Komorowski aus Schötmar und Beermann aus Ehrsen waren die ersten Entwicklungshelfer in Grastrup.

Im ersten Jahr wurde nur geturnt und am 27. September 1925 das erste Stiftungsfest mit den Freien Turnern Salzuflen und der Deutschen Eiche Schötmar als Gastvereine gefeiert. Im gleichen Jahr hat Fritz Butschalowski eine Handballabteilung gegründet und zwei Seniorenmannschaften und eine Jugendmannschaft aufgebaut, denen eine Damenmannschaft folgte.

Im Oktober 1925 beschloss der Vorstand, einen der Frau Lehmeier, Wirtin im Grastruper Krug, gehörenden Platz als Sportplatz anzupachten. Das war gleichzeitig der Beginn einer bis heute währenden Zusammenarbeit. Die Gastwirtschaft Lehmeier ist seither Stammlokal und Vereinssitz. Dieses wurde öffentlich in einem Zeitungsartikel vom 7. November 1925 gewürdigt, weil damit wohl endgültig die Störversuche aus konservativen Kreisen innerhalb des Dorfes Retzen gescheitert waren, den Arbeiterverein in seiner künftigen Entwicklung zu beeinträchtigen.

Schnittig: Handballer aus dem Jahr 1938.

Die Antwort aus Retzen lautete: Im Oktober 1925 Gründung des TV- Retzen. Jetzt gab es die Blauen und die Roten, aber dazu später mehr.

Neben dem Turnen und dem Handballspiel wurde die Geselligkeit gepflegt. Unter der Stabführung von Willi Brand gründete sich ein Trommler- und Flötenkorps, das an vielen Sportfesten und Umzügen mitwirkte. Die Vereins-Theatergruppe hatte am 16. Januar 1927 mit zwei Lustspielen innerhalb eines Abends ihren ersten Auftritt im Saale Lehmeier.
Die 1. Handballseniorenmannschaft erreichte schnell eine beachtliche Spielstärke. Schon 1928 löste sie den oftmaligen lippischen Meister aus Ahmsen ab und spielte schon bald darauf in der höchsten Spielklasse des ATSB. Dort war sie bei Vereinen wie Sudbrack/Bielefeld, Spenge oder Eintracht Bielefeld stets ein gefürchteter Gegner. Innerhalb Lippes konnte ausser TuSG Lage keine Mannschaft ernstzunehmenden Widerstand leisten.

In den Jahren 1930/33 waren Grastruper Spieler wie Hartwig, Bobe, Reuter, Schäfermeier, Schmidtpott und Schormann oftmals in Auswahlmannschaften eingesetzt.

Dass der Verein in den Jahren 1928 bis 1933 in Harmonie und guter Kameradschaft (siehe Inserat Hochzeit Heini Schlingmann vom 8. September 1928) einen guten Aufschwung verzeichnen konnte und 1929 insgesamt 90 Mitglieder hatte, ist auch mit ein Verdienst der Vereinsführungen. Fritz Güse leitete als 1. Vorsitzender von 1928 bis 1930 die Geschicke des Vereins. Ihm zur Seite standen Heinrich Schlingmann als technischer Leiter für Spielbetrieb und Schiedsrichter, Gustav Schormann als Handballwart, Gustav Meier als Turnwart und Hugo Eggering als Schriftführer. Ab 1930 übernahm Wilhelm Bröker den Vereinsvorsitz mit Kassenwart Gottlieb Lehmeier und Schriftführer Heinz Reuter. Der Verein zählte 90 Mitglieder, davon 75 aktive!

Am 2. August 1931 konnte nach umfangreichen, in Eigenleistung durchgeführten Planierungsarbeiten der Sportplatz mit vielen befreundeten Vereinen aus Westlippe bei einem großen Spielfest eingeweiht werden.

Im Jahre 1932 wurde eine Turnerinnenabteilung gegründet, am 10. April war Theaterabend in Lehmeiers Saal und an gleicher Stelle wurde am 21. August das siebte Stiftungsfest gefeiert – nicht ahnend, dass es das letzte Fest des Vereins Fichte Grastrup sein würde.

Letzte Generalversammlung war am 21. Januar 1933 und ob das angekündigte Vereinskränzchen am 18. Februar noch gefeiert wurde, ist nicht belegt.

Der Naziterror hatte es besonders auf die Arbeitersportvereine und ihre Dachorganisationen abgesehen. Im Frühjahr 1933 wurde auch Fichte Grastrup zwangsaufgelöst. Über die Turngeräte durfte der TV-Retzen verfügen, Trommeln und Pfeifen haben beherzte Vorstandsmitglieder der Feuerwehr Retzen in Obhut gegeben. Die Vereinskasse wurde beschlagnahmt, der Bestand von 25,36 Mark Bargeld der Landeskasse zugeführt. Protokolle, Mitgliederlisten und die Vereinsfahne sind möglicherweise aus Furcht selbst zerstört worden. Alle übrigen Sportvereine Deutschlands wurden im DRA, dem Reichsausschuss für Leibesübungen, zusammengefasst.
Einige Grastruper Spieler und Turner schlossen sich Vereinen in Salzuflen oder Schötmar an.

Im Sommer 1933 erfolgte die Neugründung als TuS Schwarz-Weiss Grastrup. Die Sportkameraden Fritz Hartwig, Gottlieb Lehmeier und August Hollensteiner hatten sich als Bürgen zur Verfügung gestellt. Die Vereinsmitglieder Fritz Lütkemeier, Gottlieb Lehmeier, August Tilker und später Ernst Bobe bildeten den Vorstand. Die Turn- und Spielgeräte erhielt der neue Verein zurück.

Die Handballer erlangten schnell die alte Spielstärke zurück, wurden schon 1934 Kreismeister und spielten ab 1935 in der Bezirksklasse gegen TuSG Lage, 1860 Detmold, TV-Lemgo oder MSV-Höxter. Sie wurden auf Anhieb zweimal Meister und zweimal Zweiter. In den 1939 erstmals ausgetragenen Aufstiegsspielen gelang der Aufstieg in die Gauliga nicht mehr, da schon mehrere Leistungsträger zum Militärdienst eingezogen waren.

Im Jahre 1940 kam der Spielbetrieb völlig zum Erliegen.

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